Kerstin war als HR-Teamleiterin in einer Stiftung die Retterin für alle Probleme – von 7 bis 22 Uhr. Die Bitte des Kollegen um Unterstützung bei einem Projekt, die kranke Mitarbeiterin, Zusatzaufgaben von ihrem Chef: Sie erledigte alles zuverlässig. Bis weit in ihren Feierabend hinein, denn sie wollte alles bestens abliefern. Aufgaben abgeben? Delegieren? Das geht bei ihr nicht, meinte sie. Sie dachte, sie würde das alles schaffen.
Bis ihre Hausärztin ihr zum dritten Mal in Folge sagte: „Ihr Körper ist in einem maladen Zustand. Sie müssen etwas ändern.“
Da wurde ihr klar: So kann ich nicht weitermachen.
Perfektionismus ist kein Erfolgsrezept mehr, sondern ein Warnsignal
Kerstin ist kein Einzelfall. Viele Führungskräfte erledigen Aufgaben weiterhin selbst, die lange nicht mehr ihre sind – damit sie „richtig“ abgeliefert werden. Herausragende Ergebnisse, gepaart mit überdurchschnittlichem Engagement, waren bislang ihr Erfolgsrezept. Nur, dass sie jetzt einen anderen Job haben: nicht mehr im Maschinenraum des Schiffes stehen, sondern auf der Brücke. Und wer dort immer verfügbar ist für alles und jeden, wird nicht als Führungskraft wahrgenommen – sondern als Feuerwehr.
Die Folge: Du gestaltest nicht mehr, weil du ständig in Anspruch genommen wirst. Und wirst dabei immer erschöpfter.
Prioritäten gesetzt und trotzdem am Limit?
Führungskräfte sind Profis im Priorisieren. Eigentlich. Sie sortieren Tasks, schieben Deadlines, entscheiden ständig: Was ist wichtig? Was ist dringend? Was kann warten?
Doch: Sie machen einen entscheidenden Fehler. Sie haben dabei nur den Job im Blick. Der Rest des Lebens läuft nebenher – oder fällt aus. Wann hast du das letzte Mal eine Freundin angerufen, einfach so? Wann warst du das letzte Mal laufen, ohne es drei Tage vorher schon verschoben zu haben? Wann hast du dich gefragt, ob das, was du tust, eigentlich noch zu dem passt, was du dir für dein Leben vorstellst? Das Ergebnis? Der Tag ist eng durchgetaktet, kaum Zeit für Pausen. Oft genug wird diese „perfekte Planung“ von Unerwartetem gesprengt. Das bedeutet Stress und Überstunden. Zeit mit der Familie? Schrumpft auf ein Minimum zusammen. Sport? Dein Hobby? Fällt aus. Abends fällst du erschöpft aufs Sofa. Du läufst auf Reserve.
Du stellst dir die eine Frage nicht
Du optimierst seit Jahren, wie du deine Zeit einteilst. Bessere Listen, schärfere Priorisierung, mehr Disziplin. Aber hast du dich jemals gefragt, wofür eigentlich?
Zeit ist die Ressource, die am gerechtesten verteilt ist. Jeder von uns hat 24 Stunden pro Tag. Wir haben mehr Zeitmanagement-Tools als je zuvor. Und trotzdem werden wir immer gehetzter. Warum? Weil weder Tools noch KI dir helfen werden, solange du dir nicht vorher eine Frage stellst:
Was ist mir wirklich wichtig – und warum?
Diese Frage klingt banal. Ist sie aber nicht. Wir sind so im täglichen Getriebe gefangen, dass wir sie uns gar nicht stellen. Mach es umgekehrt. Frage dich zuerst, was dir wichtig ist. Dann hast du deine Prioritäten. Nimm dir Zeit, um diese Frage für dich zu beantworten – für alle Lebensbereiche. Die meisten Menschen haben eine klare Antwort auf die Frage, was sie heute oder diese Woche tun müssen. Aber auf die Frage, warum das wichtig ist, wofür sie das tun – darauf fehlt oft die Antwort.
Wo sind deine Kraftquellen? Wo läufst du schon auf Reserve?
Mach einen kurzen Check: Stell dir vier Tanks vor – einen für deinen Job, einen für deine Beziehungen, einen für deine Gesundheit, einen für das, was deinem Leben Sinn gibt. Wo ist der Füllstand im grünen Bereich? Und wo ist er fast auf Reserve?
Wenn drei Bereiche bei 80% liegen, aber einer bei 20% – dann holpert es in deinem Leben. Und das spürst du jeden Tag. Es geht nicht darum, überall bei 90% zu stehen und dich mit diesem Anspruch noch mehr zu stressen. Es geht darum, deine Energieräuber und vor allem deine Kraftquellen zu kennen. Das allein reduziert dein Stresslevel schon – weil du weißt, wo du auftanken kannst, wenn es eng wird.Die eigentliche Herausforderung ist, dem Wichtigen tatsächlich Raum zu geben – auch wenn es nicht schreit.
Kerstins Wendepunkt
Zurück zu Kerstin. Im Coaching schauten wir uns als Erstes an, wofür sie ihre Zeit eigentlich verwendete – und wofür nicht. Das Ergebnis war ernüchternd: Ihr gesamter Tag war mit Arbeit gefüllt. Für alles andere – Freunde, Bewegung, Dinge, die ihr früher Freude gemacht hatten – blieb nichts übrig. Weil sie dem Beruflichen immer den Vorrang gab.
Wir arbeiteten heraus, was ihr in den verschiedenen Lebensbereichen wirklich wichtig ist, ganz konkret. Bei Kerstin war es vor allem die Gesundheit, die sie komplett hinten angestellt hatte – und die Zeit mit einer Freundin, die ihr früher Kraft gegeben hatte.
Der entscheidende Moment kam, als sie erkannte: Sie hatte nie bewusst entschieden, dass die Arbeit alles andere verdrängen darf. Diese Klarheit veränderte etwas in ihr. Sie begann, ihre Woche anders aufzuteilen: Zwei Abende pro Woche ganz für sich. Der Mittwoch-Lauf fand wieder statt. Und ja – dafür musste sie im Job Aufgaben abgeben und Erwartungen korrigieren.
Am Ende unseres Coachings kündigte ihr Chef ihr eine komplexe Zusatzaufgabe an. Im Unterschied zu früher legte sie ihm zum ersten Mal ihre Rahmenbedingungen dar: was sie übernehmen kann, in welchem Zeitrahmen – und was dafür liegen bleiben muss. Nicht als Bitte. Als klare Aussage. „Ich kann es noch gar nicht fassen“, sagte sie. „Er war einverstanden.“
Kerstin hatte nicht mehr Zeit als vorher. Sie hatte Klarheit darüber, wofür sie ihre Zeit einsetzen wollte.
Und du?
Was ist dir wirklich wichtig – nicht nur heute, sondern wenn du in fünf Jahren zurückblickst?
Wenn du merkst, dass du bei dieser Frage ins Stocken gerätst, dann ist das kein schlechtes Zeichen. Es zeigt, dass du bereit bist, genauer hinzuschauen. Und genau da setzt Coaching an.
Buche dir gern ein kostenfreies Gespräch mit mir – und wir finden heraus, was dein nächster Schritt ist.